Die selbstbewusste Ampelfrau von heute

Ampelmann ist ein Männerjob. Das stört die CDU-Abgeordnete Katrin Vogel. Sie wollte vom Berliner Senat wissen, warum auf den Ampeln in der Hauptstadt keine Frauen zu sehen sind. Jetzt hat sie eine überraschende Antwort erhalten.

Eines möchte Katrin Vogel, Mitglied der CDU-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, betonen: „Wir haben sicherlich auch andere Probleme.“ Aber man wird ja fragen dürfen, zumal als Parlamentarierin, und darum hat sich Vogel an den Berliner Senat gewendet. Ob es möglich wäre, in Berlin Ampelfrauen einzuführen, wollte sie wissen. In Sachsen, Brandenburg und selbst in Bayern gebe es sie schließlich schon längst.

Schon die Frage ist bemerkenswert. 38 Abgeordnete hat die Berliner CDU-Fraktion. nur vier von ihnen sind Frauen. Durch gleichstellungspolitische Initiativen ist die Union in der Hauptstadt bislang nicht aufgefallen, das räumt auch Vogel ein, und sie sitzt immerhin im Frauenausschuss.

Ebenso bemerkenswert ist die Antwort, verfasst von Baustaatssekretär Christian Gaebler (SPD). Er ist kein Gleichstellungs-, sondern ein Verkehrsexperte, und als solcher verweist er auf die Richtlinien für Lichtsignalanlagen (RiLSA), in denen das Erscheinungsbild von Ampelmännchen geregelt ist. Berlin, schreibt Gaebler, verwende seit 2005 nur noch das Ost-Ampelmännchen, weil es „zu einem sympathischen Identitätsfaktor“ geworden sei.

Was sollte die Ampelfrau tragen?

Gaebler ist aber nicht nur Verkehrsexperte, sondern macht sich auch sonst seine Gedanken. Bei der Ampelfrau in Sachsen etwa – sie trägt Rock und Zöpfe – handele es sich „um eine recht klischeehafte, mädchenhafte Darstellung“, der Ampelmann mit seinem Hut sei dagegen eindeutig als Erwachsener zu identifizieren. Das könne zu Diskussionen führen, befürchtet Gaebler: „Was trägt eine moderne selbstbewusste Frau heute? Wie wird sie frauenspezifisch als solche erkennbar, ohne Klischees zu pflegen?“ Damit lieg er ganz auf einer Linie mit seiner Genossin Martina Matischok-Yesilcimenin, SPD-Fraktionschefin in Mitte. Auch sie setzt sich für Ampelfrauen, schlägt aber Hose und Absatzschuhe als Dienstkleidung vor. Ob die Absätze auf einer Ampel auch zu erkennen sind und welche anderen Assoziationen sie hervorrufen könnten, sei dahingestellt.

Katrin Vogel ist jedenfalls nicht überzeugt von den Einlassungen aus den Reihen des Koalitionspartners. Sie finde es jedenfalls nicht sexistisch, Frauen mit Rock und Zöpfen darzustellen. „Die meisten Männer trügen schließen auch keinen Hut, und trotzdem akzeptieren sie das Ampelmännchen.“

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